Eric – 142

Esther griff nach meiner Hand. Der mitfühlende Ausdruck in ihren Augen ließ die Wut über das geplante Teambuilding, das Simon angeleiert hatte, sofort verfliegen. Verdammt, sie war so wunderschön. Alles in mir drängte darauf, sie zu beschützen – sowohl vor den beschissenen Paparazzi, als auch vor den Arschlöchern in ihrer Kanzlei, die offenbar ernsthaft glaubten, sie hätte das Praktikum nicht verdient. Aber Esther war stärker, als sie aussah. Ich musste nur daran denken, wie sie sich aus dem Koma zurück ins Leben gekämpft hatte.

„Lass uns irgendeines von den unaussprechlichen Gerichten auf der Karte bestellen und dann von hier verschwinden“, raunte ich mit tiefer Stimme. Obwohl Esther inzwischen im sechsten Monat war, fand ich sie sexy wie nie zuvor.

Sie errötete ganz leicht und blickte sich in dem Restaurant um, ob jemand meine Bemerkung gehört hatte. Dabei blieb ihr Blick an der Tür hängen. Das warme Leuchten in ihren Augen erlosch und ich sah ebenfalls hinüber.

Irgend so ein schmieriger Kerl in einem Hawaii-Hemd und mit einer Riesenkamera vor dem Gesicht wurde gerade von Jackson daran gehindert, Esther und mich zu fotografieren. Obwohl Jackson die Sache ruhig und diskret behandelte, drehten sich noch mehr Köpfe der Gäste zur Tür.

„Vielleicht sollten wir einfach gleich nach Hause gehen“, meinte Esther unruhig und wich dem Blick eines älteren Mannes am Nebentisch aus, der offensichtlich angepisst war, weil er sich beim Essen gestört fühlte. Am liebsten hätte ich dem Idioten die Froschschenkel auf seinem Teller ins Gesicht geklatscht, aber ich versuchte, es nicht zu zeigen.

„Du hast dich doch auf den Abend hier gefreut“, erwiderte ich deshalb beherrscht. „Jackson wird mit dem Typen schon fertig.“

„Er ist aber nicht allein“, presste Esther hervor und stand auf. Der Stuhl schabte über den glänzenden Holzboden, als sie ihn ruckartig zurückschob. Sofort erhob ich mich ebenfalls. Der graumelierte Kellner kam alarmiert herangeeilt und ich legte rasch einen Arm um Esthers Taille. „Wir gehen.“ Inzwischen waren noch zwei weitere Fotografen aufgetaucht und Jackson hatte alle Hände voll zu tun, die drei daran zu hindern, uns zu fotografieren. „Gibt es hier einen Hinterausgang?“

Mit einem leicht verzweifelten Gesichtsausdruck schüttelte der Kellner den Kopf. „Bedaure, Sir.“

„Na super“, murrte ich und wechselte einen kurzen Blick mit Esther. Dann nahm ich ihre Hand und drängte mich an den luxuriös gedeckten Tischen hindurch zum Eingangsbereich. Abgesehen von Jackson versuchte noch ein weiterer Kellner, die Schmeißfliegen aus dem Lokal zu werfen, aber da sie sich technisch gesehen vor dem Eingang herumdrückten, ließen sich diese nicht so leicht vertreiben. Stattdessen begannen die Idioten eine hitzige Diskussion über ihre persönliche Freiheit, während sie gleichzeitig Esther und mich aufforderten, in ihre Kamera zu sehen.

„Wir fahren mit meinem Wagen, Jackson“, warf ich dem Bodyguard zu, der mit einem knappen Nicken reagierte. Inzwischen musste er bereits seinen ganzen Körper einsetzen, um die Arschlöcher davon abzuhalten, uns ihre verfickten Kameras direkt in die Fresse zu halten.

„Hier lang“, sagte ich zu Esther, die meine Finger fester umschloss und mit einer Hand ihren Bauch schützte. Wir wurden immer schneller, als wir das Restaurant verließen und uns im Schutz von Jacksons breitem Rücken den Weg zum Auto erkämpften. Irgendwie schienen die verdammten Paparazzi einen Tipp bekommen zu haben, denn auf der Straße lauerten noch mehr von ihnen, die sofort anfingen, uns mit ihren Blitzlichtern und Fragen zu bombardieren.

„Eric, was sagst du zu den Gerüchten, dass sich die Band auflöst?“ – „Eric, schau zu mir!“ – „Wird es ein Mädchen oder ein Junge?“ – „Ist schon eine Hochzeit geplant?“

Die Stimmen reichten von bemüht freundschaftlich zu anzüglich und wenn ich Esther nicht so schnell wie möglich zu meinem Wagen hätte bringen wollen, wäre ich mir nicht sicher gewesen, ob ich nicht stehengeblieben und den Arschlöchern auf meine Art geantwortet hätte. Plötzlich kam ein Typ von der Seite angeschossen und hielt Esther seine Kamera genau ins Gesicht. „Stimmt es, dass du für die Rechtskanzlei arbeitest, die Eric verklagt hat?“, fragte er provokant. „Hat er also wirklich plagiiert?“

„Nein, hat er nicht!“, fauchte Esther und drückte sich enger an mich, als der Kerl mit der Kamera noch eins draufsetzte.

2 Thoughts on “Eric – 142

  1. Was hast er noch oben drauf gesetzt????? Ich will es unbedingt wissen!!! Wie soll ich das bis Dienstag aushalten????? Da ist total spannend. … Ich werde das bis Dienstag nicht mehr aus meinem Kopf bekommen. 😯😯😯😯

  2. Valérie on 17. November 2018 at 10:56 said:

    Sie tun mir so Leid!

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