Eric – 62

„Noch ein Wort und du bist gefeuert“, informierte ich Simon kalt.

„Mann, Eric, ich will doch nur euer Bestes“, verteidigte er sich nervös. „Und es geht mir auch überhaupt nicht darum, was du privat machst – meinetwegen kannst du Justin Bieber daten. Der springende Punkt ist, dass du es nicht deinen Fans auf die Nase binden musst.“

„Ist das dein Ernst?“, fragte ich wütend.

„Ihr verkauft nicht nur Musik“, entgegnete er und winkte einer Kellnerin, die ein Tablett mit pinkfarbenen Cocktails trug. „Ihr verkauft auch Träume. Und die meisten Frauen träumen nun mal von dir, Eric. Mach das nicht kaputt.“

„Sag mir nicht, was ich tun soll“, schnappte ich.

„Hey, es geht mir doch nur um euren Erfolg!“

„Bullshit“, knurrte ich ihn an. „Dir geht es rein um die Kohle.“

Simon runzelte die Stirn. „Aber das ist doch dasselbe.“

„Alles okay bei euch?“, fragte Cliff in dem Moment, der neben uns aufgetaucht war. Er legte sowohl Simon als auch mir einen Arm um die Schulter und blickte zwischen uns hin und her.

„Aber klar. Wir diskutieren nur“, erwiderte Simon schnell, als mein Handy klingelte. Ich schüttelte Cliffs Berührung ab und zog das Telefon aus meiner Jeans. Als ich den Namen meiner Mutter sah, biss ich die Zähne zusammen und drückte sie weg.

„Was ist denn?“, fragte Simon nach einem Blick in mein Gesicht, aber Cliff gab ihm ein Zeichen, mich in Ruhe zu lassen. Ich ließ den blonden Schwachkopf stehen und stapfte an dem beleuchteten Wasserfall vorbei ins Innere des Hotels, in dem die Aftershow-Party stattfand. Dröhnende Techno-Beats schlugen mir entgegen, als ich den abgedunkelten Raum betrat. Von der Decke hingen kristallene Lüster mit bunten LED-Lichtern und ich steuerte direkt die riesige Bar an, deren Rückwand alle paar Sekunden ihre Farbe änderte.

„Tequila“, orderte ich bei der blonden Barkeeperin und fing den Blick einer Latina auf, die mich interessiert musterte. Sie kam mir bekannt vor und ich erinnerte mich, sie in irgendeiner Serie gesehen zu haben, aber ich hatte keinen Bock, mich zu unterhalten.

„Bitteschön“, sagte die junge Barkeeperin und stellte mir einen Shot vor die Nase. Ich stürzte ihn hinunter und bestellte den nächsten.

„Sie sind ja ganz schön durstig“, sagte die Seriendarstellerin und schlug die Beine übereinander. Sie trug eines von diesen langen Kleidern, die bis zur Hüfte rauf einen Schlitz hatten, aber der Anblick löste nichts in mir aus. „Ich nehme auch einen“, fuhr sie fort und gab der Barkeeperin ein Zeichen.

Mit zusammengekniffenen Augen beobachtete ich, wie das Mädchen hinter der Bar routiniert zwei Gläser mit der goldgelben Flüssigkeit füllte und vor uns auf den Tresen stellte.

„Ich bin Suzanne“, erklärte die dunkelhaarige Schauspielerin nun.

„Ich bin nicht scharf auf dich“, gab ich zurück und stürzte das zweite Glas Tequila hinunter. Dabei begann ich mich langsam besser zu fühlen. Das Bedürfnis, Simon ein paar Zähne auszuschlagen, existierte nach wie vor, aber es rückte in den Hintergrund.

„Arschloch“, hörte ich die Seriendarstellerin sagen und nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie sie aufstand und ging.

„Noch einen?“, fragte die junge Barkeeperin schmunzelnd. Ich nickte ihr zu und schob mein leeres Glas über den Tresen. Sie füllte nach und wurde mir immer sympathischer.

„Wie heißt du?“, fragte ich.

„Nicht Suzanne“, erwiderte sie und mein Mundwinkel zuckte in die Höhe.

„Ich kenne dich“, fuhr sie dann fort.

„Alle kennen mich“, antwortete ich knapp.

„Ich wollte damit sagen, ich kenne deinen Cousin“, erklärte sie. „Chris. Wir arbeiten für dieselbe Cateringfirma.“

In dem Moment klingelte schon wieder mein Scheißhandy und ich schwor mir, das Ding gegen die nächste Wand zu knallen, wenn es nochmal meine Mutter war. Genervt zog ich das Telefon hervor und hob ab, als ich Chris’ Namen auf dem Display sah.

„Du hast wohl den sechsten Sinn“, murrte ich und kippte den Shot hinunter. „Hier wurde gerade über dich gesprochen.“ Die junge Barkeeperin grinste und irgendwas in ihrem Gesicht erinnerte mich an Esther.

„Ich muss mit dir reden“, überging Chris meinen letzten Satz und seine Stimme klang so verdammt ernst, dass ich am liebsten aufgelegt hätte.

„Wieso?“, murrte ich und bestellte noch einen.

„Eric, bist du betrunken?“

„Moment.“ Ich hielt das Handy vom Ohr weg. „Bin ich betrunken?“, fragte ich die Blonde hinter dem Tresen. Sie legte den Kopf schief. „Autofahren solltest du heute nicht mehr“, antwortete sie.

„Autofahren ist nicht mehr drin“, gab ich an Chris weiter.

Er seufzte. „Verdammt, Mann. Deine Mutter hat mich angerufen.“

„Mich auch“, erwiderte ich ungerührt. „Sag bloß, du warst so dämlich, abzuheben.“

Er war kurz still. „Ich weiß, du willst nichts mehr von ihr wissen“, sagte er dann, „und das respektiere ich. Aber glaub mir, Eric: Diesmal geht es um mehr, als um deine verkackte Kindheit. Ruf sie an, oder du wirst es bereuen.“

2 Thoughts on “Eric – 62

  1. RoseSnowFan on 7. April 2017 at 13:51 said:

    Was ist denn bei seiner Mutter los? Ich liebe eure Bücher😍❤❤

  2. Babs on 7. April 2017 at 14:30 said:

    Nein, das ist ja mal wieder viel zu kurz…..Ihr solltet noch ein Buch schreiben über Ester und Erik. Ich hoffe Erik macht keinen Scheiß, sonst wäre ich echt enttäuscht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation