Eric – 68

„Sieh dir das nicht an“, knurrte ich und wollte mein Handy einstecken, aber es war schon zu spät, sie hatte die verfluchte Überschrift gelesen.

„Entwarnung?“, wiederholte sie ungläubig und zappelte so lange in meinen Armen, bis sie wieder auf dem Boden stand. „Ich soll nur deine hässliche Cousine sein?“

„Esther“, flüsterte ich. „Du bist wunderschön. Und selbst wenn du meine Cousine wärst, würde mich das nicht davon abhalten …“

„Hör auf“, sagte sie. „Du bist eklig.“

„Und du bist verdammt sexy“, raunte ich an ihrem Hals und küsste sie auf die zarte Haut über ihrem Schlüsselbein.

„Das sehen die Presseleute offenbar anders“, murmelte sie und biss sich im nächsten Moment auf die Lippe. Ich sah, wie eine zarte Röte ihre Wangen überzog und hasste diese Drecksschweine, die ihr das Gefühl gaben, nicht gut genug für einen Bastard wie mich zu sein.

„Ich klär das“, versprach ich ihr und umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen. „Wenn du willst, verklag ich die Wichser so lange, bis …“

„Nein, Eric“, widersprach sie hastig und schüttelte den Kopf. „Du sollst niemanden verklagen. Schon gar nicht wegen mir.“

Ich öffnete den Mund und sie blickte mir eindringlich in die Augen. „Versprich mir, dass du niemanden verklagst, nur weil die Presse mich zu hässlich für dich hält.“

„Fuck“, knurrte ich. „Egal, wer das geschrieben hat, ist ein verdammter …“

„Versprich es mir“, wiederholte sie und an ihrem Gesicht konnte ich sehen, dass es ihr verdammt ernst damit war.

„Okay.“

„Okay“, wiederholte sie und nickte. Dann entwand sie sich meinen Armen und hob ihre restlichen Klamotten auf, die noch am Boden lagen. Sie hatte mir den Rücken zugekehrt und obwohl sie kein Wort sagte, spürte ich, dass ihr die Scheiße aus dem Klatschmagazin nahe ging.

„Hey“, sagte ich und machte einen Schritt auf sie zu. „Wenn ich irgendwas tun kann …“

Sie nickte langsam, ohne mich anzusehen. „Da wäre tatsächlich etwas“, flüsterte sie dann. „Bring mich nach Hause, Eric.“

 

Esther war während der ganzen Heimreise unnatürlich still und als ich sie schließlich in ihrer Wohnung absetzte und die Müdigkeit auf ihrem Gesicht sah, hätte ich dem Arschloch, das diese Scheiße über sie geschrieben hatte, am liebsten seinen verdammten Hals umgedreht. Fuchsteufelswild fuhr ich direkt weiter ins Studio.

„Hey, Sonnenschein“, begrüßte mich Aron sarkastisch, dessen verdammte Sprüche ich jetzt genauso sehr brauchte, wie einen Pickel auf dem Arsch.

„Wo ist Simon?“, fragte ich knapp und sah mich in dem dunklen Studio um. Noah und Cliff waren anscheinend nicht da und nur Aron bastelte an irgendeinem Song rum.

„In seinem Büro, wie immer“, erwiderte Aron und sah mich prüfend an. „Alles okay bei dir?“

„Interessiert dich das wirklich?“, fragte ich zurück und bereute es im nächsten Moment. Schnaubend fuhr ich mir durch die Haare. „Sorry, Mann. Ich bin nur grad …“

„Schon gut“, meinte Aron. „Red einfach mit Simon. Schließlich bezahlen wir den Typen dafür, dass er sich unsere ganze Scheiße anhört.“

 

Simon saß hinter seinem Schreibtisch und schrieb irgendwelche Zahlen in irgendwelche Tabellen, als ich reinkam.

„Hey“, sagte ich, „wir müssen reden.“

„Eric.“ Er blickte überrascht hoch. „Ich hab heute nicht mit dir gerechnet.“

„Hast du nicht die verfluchten Schlagzeilen gelesen?“, fragte ich und knallte ihm mein Handy auf den Tisch. „Entwarnung für alle Eric Adams-Fans – hässliches Mädchen entpuppt sich als seine Cousine“, las ich laut vor und stützte die Hände auf dem Tisch ab. „Kannst du mir erklären, wie die Pressefuzzis auf so eine Scheiße kommen?“

Simon blickte stumm auf mein Handy und schluckte einmal, bevor er vorsichtig zu mir hochsah.

„Nein“, stieß ich hervor und funkelte ihn an. „Sag nicht, das warst du.“

5 Thoughts on “Eric – 68

  1. Babs on 19. Mai 2017 at 20:17 said:

    Wie oberflächlich und ignorant die meisten Menschen für die „wirklich echten Dinge“sind. Kein Wunder das so viele Menschen an Depressionen leiden. Erik wäre an all diesen Oberflächlichkeiten fast zugrunde gegangen. Deshalb können er und Ester sich doch einfach entspannt zurück legen und glücklich sein, das Sie das Glück und etwas „Echtes“ gefunden haben. Wahre Schönheit kann doch nur von Innen strahlen, wenn man bedenkt, dass unsere äußere Hülle auf jeden Fall nicht für lange Zeit strahlend ist. Tja auch wenn wir Alles tun um diesen Prozess aufzuhalten, wir altern nun mal Alle früher oder später. Lieber den Blick auf das verborgene richten. Es ist nicht Alles Gold was glänzt. Liebe kann Alles überdauern. Sie sieht nicht mit den Augen.

    • Trixi Breyer on 20. Mai 2017 at 8:01 said:

      Poetisch auf den Punkt gebracht. Liebe kann man nicht in der Presse verleugnen, die Wahrheit kommt immer ans Licht! Naja ich denke mal Simon kann sich nen neuen Job such, Eric wird ihn VIELLEICHT ja doch verklagen wenn er ihm nicht schon gezeigt hat was er von dem ganzen Mist hält. Natürlich alla Eric.

  2. Ana on 20. Mai 2017 at 11:37 said:

    Oho… Simon kann ja schon mal anfangen sich ein neuen Job zu suchen 🤓 😐Aber selbst schuld würde ich mal so sagen 🤷🏽‍♀️😐

  3. Maren on 20. Mai 2017 at 12:53 said:

    Hihi…..Das is so typisch 😂😂😂 würde Esther Simon schon kennen, wie in den 8 Sinnen, müsste sie ihn jetzt wieder verteidigen und Eric beruhigen.Pech für ihn, dass es nicht so ist….das ist aber auch ein Knallkopf. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass er fliegt. Er muss das bestimmt irgendwie gerade biegen und schießt dabei dann wieder übers Ziel hinaus 🙈
    Ich finde es so schön, wie ihr die Charaktere gestaltet. Man erkennt sie total gut wieder.

  4. Katja on 23. Mai 2017 at 21:03 said:

    Wie kann man nur so einen Mist verzapfen? das ist abartig und demütigen.
    So geht man nicht mit den Gefühlen anderer um, auch nicht um Fans zu beruhigen.

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