Eric – 85

„Komm, lass uns abhauen“, flüsterte ich Esther ins Ohr. Flo und Simon amüsierten sich auf der Tanzfläche zum Rhythmus der Musik, sie zappelten und fuchtelten wild herum, und Simon versuchte einen auf besonders cool zu machen, war aber ein beschissener Tänzer.

„Das können wir doch nicht machen“, meinte Esther und sah mich mit ihren Rehaugen an, mit diesen verdammten Rehaugen, die mich noch um den Verstand brachten. Ich strich ihr sanft über den Nacken.

„Und wie wir das können“, raunte ich, nahm sie an der Hand und zog sie einfach von dort weg. Weg von den ganzen Leuten, die sich für was Besseres hielten, weg von der Musik, den schrillen Lichtern, den teuren Getränken und der verdammten wir-sind-alle-glücklich-Stimmung, die rote Treppe hinunter, raus, dorthin, wo man wieder atmen konnte.

Esther folgte mir, nicht weil sie gehorchte, sondern weil sie es wollte. Weil sie auch nicht auf diesen ganzen Scheiß stand, nicht so wie Flo, die jede Sekunde dieser Scharade genoss.

„Und jetzt?“, fragte sie, als wir durch einen Hinterausgang in eine spärlich beleuchtete Seitengasse kamen. Es schüttete wie aus Eimern und ich zog mein Jackett aus, um sie vor dem Regen zu schützen. Als ich es ihr über die Schultern legte, kicherte sie wie ein kleines Mädchen, was ihr kurz selbst peinlich war, und Mann, ich hätte sie gleich hier und jetzt auffressen können.

„Jetzt zeig ich dir ein Stück von mir“, beantwortete ich ihre Frage und sie hob die Augenbraue.

„Sicher, dass ich das Stück nicht schon gesehen habe?“, erwiderte sie trocken und ich lachte leise.

„Ein anderes – wenn auch nicht so beeindruckendes Stück von mir“, erklärte ich und dann rannten wir zu einer Hauptstraße und ich pfiff nach einem Taxi.

 

„Das ist der absolut beste Burger, den ich je in meinem Leben gegessen habe“, erklärte Esther und stopfte sich gegenüber von mir noch ein paar Pommes in den Mund.

Ich grinste, legte meinen Arm über die Lehne der roten, durchgesessenen Sitzbank und drehte mich um. „Hast du gehört, Harry?“

Der dicke Koch, der hinter dem Tresen des länglichen Diners stand, nickte. „Und wie ich das gehört habe, Kleiner.“ Er wischte sich seine Finger an der dreckigen Schürze ab. „Hast dir ein gutes Mädchen gesucht.“

„Das beste“, sagte ich, woraufhin Esther so rot wie das Ketchup wurde.

„Das beste“, sagte ich noch einmal, lehnte mich ein Stück zu ihr nach vorn und betrachtete sie genau, sog ihren Anblick in mich auf. Sie war der Hammer, der absolute Hammer.

„Das hungrigste“, sagte sie kauend und nahm einen Schluck von ihrer Cola. „Diese Häppchen von deinem Cousin waren lecker, aber doch … klein.“

„Lass es raus, Esther, lass deine Gelüste einfach raus“, entgegnete ich amüsiert, als sie sich noch eine Ladung Pommes in den Mund schob.

„Willst du deinen Burger nicht essen?“, fragte sie und schielte auf meinen Teller, den ich bislang noch nicht angerührt hatte.

Ich hob eine Augenbraue. „Gleich, ich genieße es nur dir zuzusehen – oder willst du den auch noch essen?“

Sie starrte mich erschrocken an, ihre Augen weiteten sich. „Nein, oder hältst du mich für so verfressen?“

Ich neigte den Kopf etwas. „Würde ich denn damit so daneben liegen?“

Sie presste die Lippen aufeinander und sah mich leicht schmollend an, nur für einen Moment. „Vielleicht nicht ganz“, gab sie zu und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Diese Burger sind aber auch wirklich, wirklich lecker.“

„Es sind die besten der Stadt.“

„Da hat er recht“, stimmte Harry lachend mit ein. „Verdammt noch mal, das sind die besten fucking Hamburger dieser Stadt!“, fügte er hinzu und begann ein Lied vor sich hin zu summen. Ich mochte es, wenn er das tat, wenn er einfach hinter dem schwarzen Tresen stand und summte, als würde die Fröhlichkeit direkt aus ihm herausstrahlen, dann war das hier nicht mehr ein abgefucktes Diner mit den besten Hamburgern der Stadt, dann war es so viel mehr, durch den verdammten Mistkerl war es das.

Dieser kahlköpfige Typ stand da, ein dickes Mädchen für alles, er wendete das Fleisch, briet es, bis es perfekt war, schnitt die Brötchen, füllte das Ketchup nach, servierte Essen und Getränke. Und war dabei der verflucht glücklichste Mensch, den ich kannte.

Und meine Rettung.

One Thought on “Eric – 85

  1. Trixi Breyer on 15. September 2017 at 12:44 said:

    ❤ ich würde jetzt einfach mal sagen: willkommen auf der hellen Seite Eric Adams🌣 und man merkt, obwohl er Rockstaer ist, bleibt er loyal und liebt Hamburger in nem Diner und nem Angestellten den er als ,,Kumpel“ bezeichnet❤

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