Eric – 91

„Keine Ahnung, wann es angefangen hat“, begann Simon zu erzählen und blickte dabei auf den scheiß Fußboden, so als könnte er ihm sein Herz ausschütten. Aber ich hielt die Klappe, ich hielt mich an Esther und versuchte dem Typen eine Chance zu geben, selbst wenn alles in mir danach schrie einfach aufzustehen und abzuhauen.

Jetzt sah er mich doch an. „Weißt du Eric, irgendwann wachst du auf und hast keine Ahnung, wie du da reingeraten bist.“

Ich nippte an meinem Whiskey. „Wo hinein?“

Er schluckte. „In diese Sache.“

„Geht’s noch ungenauer?“

Simon raufte sich durch seine hellblonden Haare und sah sich hilfesuchend um, aber es würde keiner kommen, um ihn aus der Nummer rauszuziehen. Das musste er jetzt allein durchstehen, der Typ musste einfach mal seinen verdammten Mann stehen und endlich erzählen, was los war.

Er blickte mich nur stumm an, sein Adamsapfel hüpfte hektisch und dann zog er tief die Luft ein.

„Mann, auf das habe ich keinen Bock“, knurrte ich genervt und stellte mein Glas lautstark ab. „Entweder du rückst jetzt mit der Sprache raus oder ich hau ab. Ich hab kein Problem damit, dir meine Anwälte“, ich musste kurz an Esthers fiese Anwaltshyänen denken und hätte fast zu grinsen angefangen, „dir meine Anwälte auf den Hals zu hetzen. Die Jungs sind ziemlich angepisst“, fügte ich hinzu und lehnte mich ein Stück nach vorn. „Und ich bin es auch.“

„Okay“, meinte Simon und rieb sich mit der Hand über die Stirn. „Ich erzähl es dir, die ganze Wahrheit.“ Er trank den restlichen Wein, der noch in seinem Glas war, auf einen Zug leer. „Aber du musst mir bis zum Ende zuhören.“

 

„Er hat was?“, fragte Aron zum gefühlten hundertsten Mal und ging mir damit mächtig auf die Eier.

„Spielschulden“, sagte ich. „Soll ich es dir etwa aufschreiben?“

Noah ließ sich auf dem Sofa nach hinten fallen und rieb sich über die Augen. „Das hätte ich niemals gedacht, niemals.“

„Was, dass er gerne zockt?“, fragte Cliff und grinste breit.

„Nein, dass er uns deswegen bescheißen würde“, sagte Noah, „ich meine, er hätte uns doch jederzeit um einen Vorschuss anhauen können. Oder einfach mit uns darüber reden. Mann, der Typ muss die letzten Monate echt gelitten haben.“

„Hast du jetzt etwa Mitleid mit ihm?“, fauchte Aron. „Simon hat unsere Kohle gestohlen. Er ist ein verfluchter Dieb, hin oder her. Wie sollen wir dem Typen jemals wieder vertrauen?“

Cliff stand auf, schnappte sich ein Bier und öffnete es zischend. „Und was machen wir jetzt? Holen wir uns wieder einen neuen Manager?“, fragte er und lehnte sich an die Wand.

„Noch einen neuen halt ich nicht aus“, bemerkte Noah und schüttelte den Kopf. „Wir sind eine Band, wir brauchen Stabilität.“

Wir sind unsere Stabilität“, meinte Cliff und schloss für einen kurzen Moment die Augen, wahrscheinlich wieder irgendeine Art von Meditationsscheiße. Fehlte nur noch, dass sich Noah und Cliff gleich in die Arme fielen und zu kuscheln anfingen.

Ich ließ mich in einen breiten Ohrensessel sinken und nippte an meiner Bierflasche. „Wir geben ihm noch eine Chance“, sagte ich.

Aron sah mich ungläubig an. „Sag mal, bist du auf Droge?“

„Nicht, dass ich wüsste.“

„Aber wie kannst du sonst so einen beschissenen Vorschlag machen?“, zischte mich Aron an und ging mir damit mächtig auf den Sack.

„Verzeihen ist gut“, sagte Cliff, „das bringt Karmapunkte.“

„Scheiß auf die Karmapunkte“, motzte Aron. „Der Typ hat uns beschissen, Eric, du bist doch sonst immer der Erste, der so jemanden rauskickt.“

Und dann ätzte er herum, und ich wusste schon, dass ich Noah und Cliff auf meiner Seite hatte und Aron mit seinen Worten gegen eine Mauer lief, aber es war unterhaltsam, ihm dabei zuzusehen. Noah konnte Simon leiden, warum auch immer und Cliff versuchte es auf die friedliche Art, nachdem er seine ganze Energie immer am Schlagzeug rausdrosch.

Mann, Esther machte etwas mit mir, denn obwohl ich keinen Bock hatte, war ich bereit, Simon nicht gleich zu feuern – auch wenn ihm meine Bedingungen sicher nicht gefallen würden.

4 Thoughts on “Eric – 91

  1. Trixi Breyer on 27. Oktober 2017 at 12:35 said:

    Und was steht jetzt in diesem bekacktem Magazin?!?!?!?!? Aber ich finds toll, dass Eric Simon noch ne Chance gibt. Gubt Karmapunkte😂😂.. will trd wissen was so schlimmes über Esther im umlauf ist!!;-*

  2. Größter Fan von euch on 27. Oktober 2017 at 13:02 said:

    WAS!Wie konnte Simon das ganze Geld geklaut haben!!!!!!!

    Ich bin schon sehr gespannt hab aber auch einbissen Angst was im in der Zeitung (Magazin)steht

  3. Unicorn on 28. Oktober 2017 at 15:41 said:

    Alles schön und gut aber was steht jetzt in dem blöden Magazin von Esther??????????

  4. Katja on 30. Oktober 2017 at 17:35 said:

    Wow, hätte nicht gedacht, dass Eric sich Esthers Worte so zu Herzen nimmt und es auf ihre Weise versucht. Grossen Respekt, Eric. In ihm steckt doch ein weicher Kern, er muss nur gefunden werden.😄

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