Eric – 93

Die Nacht war lang, wir hatten einen Auftritt, einer dieser privaten Gigs, die mir echt gestohlen bleiben konnten. Aber die Jungs hatten darauf bestanden, denn der Typ bei dem wir um Mitternacht aufkreuzten, war einer, der bei diesem Musikpreis was zu sagen hatte. Und die Jungs waren schon seit Jahren total scharf auf diesen Preis, war irgend so eine Ego-Sache, die mir echt am Arsch vorbeiging.

„Jetzt heißt es ordentlich Party machen“, erklärte Cliff und legte mir den Arm um die Schulter. „Was für ein geiler Schuppen“, fügte er hinzu, aber mir war die Hütte egal. Gut, es war fast ein Schloss hier, mit dem privaten Pool, der sich durch das Haus schlängelte, dem vielen Glas und den ganzen Model-Kellnerinnen in den knappen Outfits, die einem jeden Wunsch von den Augen ablasen.

„Die Weiber sind der Hammer“, bemerkte Aron in dem Moment. „Habt ihr die Titten von der einen gesehen, die ist was für mich, definitiv.“ Zum Glück machte er danach einen Abgang, sonst hätte ich ihm noch in die Fresse schlagen müssen.

„Also – ich hab auch das gute Zeug dabei“, sagte Cliff und hob aufmunternd die Augenbrauen. Noah war schon mit irgendeiner Tussi in einen der Räume verschwunden, den würden wir so schnell nicht mehr wiedersehen.

„Nein danke, lass mal“, sagte ich. „Ich hau jetzt ab.“

Cliff sah mich irritiert an. „Scheint ja wirklich was Ernstes mit der zu sein.“

Ich nickte. „Hoffentlich.“

Er hob sein Glas und grinste breit. „Gut, dann trinken wir auf dein Mädchen. Die bekommt mit dir garantiert ganz viele Karmapunkte.“

 

Eigentlich waren wir erst am nächsten Morgen verabredet gewesen, aber ich musste Esther sehen. Der Schlüssel zu ihrer Wohnung knackte, als ich ihn in dem dunklen Gang ins Schloss schob und langsam umdrehte, leise genug, damit ich sie nicht weckte.

Dann öffnete ich die Tür und grelles Licht schien mir entgegen, das heftig in den Augen stach. Sofort hielt ich meinen Arm vors Gesicht.

„Du“, stieß Esther hervor und ich blinzelte ihr entgegen. Sie stand da, in einem viel zu großen T-Shirt, und hatte einen Baseballschläger in der Hand.

„Willst du mich jetzt verprügeln?“, fragte ich.

Sie ließ den Schläger sinken. „Wir waren doch für morgen früh verabredet.“

Ich nickte und merkte, wie sich das Rundherum seltsam zu drehen begann. „Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken. Ich habe es nur nicht länger ausgehalten.“ Ich machte einen Schritt in ihre Richtung, stieß die Tür hinter mir zu und sah ihr tief in ihre wunderschönen Rehaugen. „Ich wäre fast gestorben.“

„Von einem Baseballschläger stirbt noch niemand“, entgegnete sie und zog eine Augenbraue hoch, „zumindest nicht sofort.“

„Ich meinte nicht so gestorben … sondern so ohne dich“, sagte ich und verstand jetzt erst, was für einen Scheiß ich da eigentlich laberte. Ich hörte mich an wie einer von diesen verfluchten Countrysängern.

Esther beobachtete mich und lächelte. „Du bist betrunken.“

Ich schüttelte den Kopf. „Ein Gerücht.“

„Wie viel hast du getrunken?“, fragte sie und legte den Kopf schief.

„Keine Ahnung, die Jungs und ich haben an ein paar Gläsern genippt.“

Sie lachte. „Ich glaube nicht, dass es nur ein paar Gläser waren.“

„Ich glaube schon“, sagte ich und strich ihr über die Wange. Ihre Haut fühlte sich so unglaublich weich an und ich hätte sie am liebsten sofort geküsst, überall.

„Gut, dann nippst du jetzt vielleicht an ein paar Gläsern Wasser oder gehst einfach sofort ins Bett.“

„In deins oder in meins?“

„In meins“, sagte sie und ich zog wankend meine Schuhe aus, bevor sie mich zu sich ins Schlafzimmer dirigierte. Ich hasste ihre Bude, sie verdiente was viel besseres, aber ich musste meine Klappe halten, sonst verletzte ich sie damit.

„So“, sagte sie streng, als ich vor ihrem Bett stand und mich kaum noch halten konnte, weil sich alles so wild drehte. „Und jetzt zieh dich aus.“

2 Thoughts on “Eric – 93

  1. Sooo romantisch ist das, was zwischen Ihnen ist!!!Ich liebe diese Story.Das ist Liebe….sie hält Allem stand…..hoffentlich noch gaaanz laange. Weiter so….die Welt braucht mehr Liebe. Jeder sollte Sie suchen und finden. 😍😗😙

    • Trixi Breyer on 11. November 2017 at 11:21 said:

      Ich stimme dir voll und ganz zu! Diese Welt braucht mehr Liebe und Zuneigung und diese 2 lehren sie. Romantik pur😍😘😍

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