Eric – 97

Am nächsten Tag fuhr ich mit Zoe und Chris ins Krankenhaus, unter der Bedingung, dass sie nicht da sein würde. Natürlich hielt sie sich daran, weil sie endlich das bekam, was sie wollte.

Auf dem Weg zum Krankenhaus, im Krankenhaus und auch auf dem Weg zurück in die Stadt hallten noch immer Esthers Worte durch meinen Kopf, sie wiederholten sich wie so eine beschissene Platte, die hängengeblieben war.

Sie tut mir leid, noch so jung und schon muss sie so viel durchmachen. Das war wohl eine Sache, die uns in den Genen lag, die sich irgendein beschissener Gott ausgedacht hatte, um uns zu quälen.

„Alles in Ordnung?“, fragte Chris, als er seine Schrottkarre über den Highway lenkte.

„Alles okay“, antwortete ich, „bis darauf, dass du wie eine alte Frau fährst.“

„Sagt der Typ, der gern Unfälle baut“, konterte Chris und grinste mich an.

„Selbst betrunken fahre ich besser als du.“

Er lachte. „Erstens bist du meistens betrunken und zweitens fährst du nicht besser als ich. Schneller bedeutet nicht besser.“ Er machte eine kurze Pause. „Hat dir das Esther noch nicht beigebracht?“

Ich ignorierte ihn und sah aus dem Fenster, wo die dürre Landschaft an uns vorüberzog.

„Zoe meinte, dass ihr euch wieder versöhnt habt“, machte Chris weiter.

Ich warf ihm einen bezeichnenden Blick zu.

„Flo hat mir nebenbei erzählt, dass es Stress gab“, erklärte Chris, setzte den Blinker und überholte einen LKW. Mann, wenn der Typ noch langsamer fuhr, würden wir gleich stehenbleiben.

„Flo sollte nicht soviel erzählen“, erwiderte ich kühl.

„Ich finde es gut, dass sie nicht so verschwiegen ist wie du. Sie ist echt cool.“

„Echt cool?“, fragte ich und sah mir Chris an. Er wirkte gelöster als sonst, vielleicht weil ich mich endlich untersuchen hatte lassen, vielleicht steckte aber auch etwas anderes dahinter.

„Stehst du wirklich auf Flo?“, fragte ich.

„Hättest du was dagegen?“, fragte er zurück, während sein Auto bei der Beschleunigung ruckelte, als würde das Schrottding gleich auseinanderfallen.

„Ist deine Sache, ich hätte nur nicht gedacht, dass sie dein Typ ist.“

„Wieso? Sie ist hübsch, lebendig und sehr witzig. Natürlich ist das mein Typ.“

„Sie trifft sich parallel noch mit Simon, das weißt du?“ Wenn es nicht Chris gewesen wäre, sondern irgendein anderer Kerl, dann hätte ich mich überhaupt nicht für diesen scheiß Kaffeeklatsch interessiert.

Aber es war nun mal Chris.

Chris lächelte. „Ich weiß, hat sie mir gesagt. Ich hab doch gesagt, sie ist offen.“

„Und das stört dich nicht?“

Chris warf mir einen Seitenblick zu.

„Dass sie offen ist?“

Ich schnaubte. „Dass sie Simon trifft.“

„Natürlich nicht“, erklärte er mir, und ich war mir nicht sicher, ob er das ernst meinte, oder sich selbst was vormachte. Chris war ein Romantiker, von Kopf bis Fuß, er war nicht einer, der mehrere Sachen gleichzeitig laufen ließ.

„Es ist ein kleiner Konkurrenzkampf, das ist doch nicht schlimm“, sagte er mehr zu sich selbst als zu mir. „Außerdem hat dein Manager in Wahrheit keine Chance – es ist gut, dass sich Flo nicht gleich in eine Sache hineinstürzt – so ist sie sich nachher dann einfach sicherer.“

Ich rieb mir über die Augen. „Mann, das klingt ja ganz schön ernst.“ Mein Handy klingelte und ich schielte auf das Display.

„Wenn man vom Teufel spricht“, sagte ich nur und nahm den Anruf an.

„Eric, wo bist du?“, wollte Simon nervös wissen.

„Unterwegs“, entgegnete ich.

„Heute Abend musst du unbedingt bei den Music Awards auftauchen, es wird schon gemunkelt, dass wir ordentlich absahnen werden, du bist also sicher dabei?“

Ich gähnte und wünschte mir, ich könnte mich aus der Sache irgendwie raushalten. „Klar“, sagte ich nur, weil ich es Noah versprochen hatte.

„Und, nimmst du Esther mit? Sollen wir euch abholen?“ Ich sah kurz zu Chris, der gerade nebenbei am Radio rumfummelte und ging davon aus, dass Simon mit wir sich und Flo meinte.

„Ich weiß nicht, ob Esther Bock hat“, sagte ich, weil ich ihr so etwas nicht noch einmal zumuten wollte.

„Eric, darum kümmere ich mich gerne, für die Damen habe ich ein Händchen“, erklärte Simon lachend – und noch bevor ich etwas erwidern konnte, hatte der Arsch schon aufgelegt.

2 Thoughts on “Eric – 97

  1. Trixi Breyer on 8. Dezember 2017 at 22:41 said:

    Bam baam bamm baammm. Ich denke Simon solle vielleicht nicht ganz so dick auftragen. Das geht oft nach hinten los…

  2. Katja on 9. Dezember 2017 at 20:50 said:

    Na, da bin ich jetzt aber gespannt ob Simon das hinbekommt.

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