Eric – dreiundzwanzig

Draußen jubelten und schrien die Fans. Ein paar grölten schon unsere Songs und ich überlegte, einen von denen auf die Bühne zu holen, das Konzert geben zu lassen und einfach abzuhauen.

Cliff zog wieder sein Meditationsding durch und Aron starrte mich böse an. Ich blickte gleichgültig zurück.

Die Vorband kam von der Bühne, die Gesichter noch erhitzt von ihrer Kindergartenvorstellung.

„Hey, geiles Publikum!“, brüllte mir einer ins Ohr, als ob ich schwerhörig wäre. Ich drehte mich weg und versuchte, das heiße Gefühl in meinem Kopf zu ignorieren.

„Wir müssen raus. Los.“

Noah, Aron und Cliff joggten durch den Nebel auf die Bühne. Ich ging als Letzter.

Die Scheinwerfer waren schon wieder falsch eingestellt und ich unterdrückte den Impuls, dem Beleuchter meinen Mittelfinger zu zeigen. Stattdessen trat ich ganz nach vorne und nahm das Mikro.

„Hallo ihr“, sagte ich und die Frauen begannen zu kreischen. „Heute hatte ich einen echt scheiß Tag, vielleicht wisst ihr, wovon ich rede.“ Einige applaudierten, als ob es eine Auszeichnung verdient hätte, nen beschissenen Tag zu haben.

„Aber jetzt und hier, jetzt gleich geht es nur um die Musik. Das hier ist ein neuer Song“, ich ließ meine Blicke über die Menschen gleiten, „genießt den Abend.“

Die Musik setzte ein. Aron verpasste seinen Einsatz, es war nicht viel, vielleicht ne Viertelsekunde, aber es nervte mich an, obwohl die Leute unten nichts davon mitbekamen.

Ich hob das Mikro, schloss die Augen und begann zu singen.

 

Zwei Stunden später hatte ich das Gefühl, jeden Moment umzukippen. Fuck. Mir ging’s echt nicht gut, wahrscheinlich hatte ich Fieber. Ich ging in die Knie und legte mich mit dem Rücken auf die Bühne. Wenn Bono das konnte, dann konnte ich das auch. Die Menge tobte, ich spürte die Vibrationen ihrer stampfenden Füße, bis hierher.

Einfach weitersingen.

 

… den Wind in der Seele, die Freiheit im Bauch

gehörst nur dir selbst, vertraust darauf …

 

Die letzten Töne verklangen und ich blieb einfach liegen. Die Jungs sahen mich seltsam an, aber es tat gut, liegen zu können und nicht stehen zu müssen.

Die Leute johlten, und schrien nach einer weiteren Zugabe, aber ich hatte keinen Bock auf noch mehr Zugabe. Ich schloss einfach die Augen und wartete darauf, dass dieser unglaubliche Druck auf meiner Brust besser wurde.

Dann stand ich langsam auf und wankte von der Bühne. Hinter mir hörte ich die Jungs nacheinander noch ein Abschieds-Solo spielen, aber ich achtete nicht auf sie, ich ging einfach direkt aus dem Backstagebereich raus in die Nacht, wo die Limousine stand, diesmal ohne Alex drin, aber mit zwei Tussen davor. Die eine hatte schwarze Haare, die andere war blond.

„Ich schätze ihr wollt mitkommen“, sagte ich und zündete mir eine Zigarette an.

Die beiden warfen sich einen kurzen Blick zu. Die Blonde zögerte noch, während die Schwarzhaarige schon nickte.

„Habt ihr was dabei?“

„Klar“, sagte die Dunkle und steckte sich langsam einen Kaugummi in den Mund, als wäre es was anderes. Es machte mich kein bisschen an, aber es war besser, als allein zu sein. Wenn ich allein war, kamen die Gedanken, und darauf hatte ich jetzt noch weniger Bock als auf ne Klassenfahrt mit Alex und den Jungs.

„Na dann kommt mal mit.“

Die Limousine brachte uns ins Hotel, ich wankte mit ihnen durch die Lobby, wir stiegen in den Lift. Jacob hatte Dienst und nickte mir kurz zu. Ich ignorierte ihn, ignorierte alles, ignorierte auch die tastenden Hände der Dunkelhaarigen, die an meiner Jeans herumfummelten, wartete, bis sich die verdammten Türen endlich öffneten, zog die Chipkarte aus der Hosentasche und öffnete die Suite.

 

Natürlich kam wieder das übliche Gejohle wie toll die Suite war, und dann warfen sie sich mit den Klamotten auf mein Bett.

Ich mochte das nicht und außerdem waren sie mir zu laut.

„Zieht euch aus“, sagte ich unwirsch.

Die Blonde schüttelte lächelnd den Kopf, während die Dunkelhaarige schon den Träger von ihrem Kleid abstreifte. Ich wandte mich zur Bar um und schenkte ein. Hinter mir hörte ich sie miteinander tuscheln und drehte mich mit meinem Drink in der Hand wieder um.

„Sie wird gleich lockerer werden“, sagte die Schwarzhaarige und zog ein Tütchen aus ihrem Ausschnitt.

„Was ist das?“, fragte ich.

Sie lächelte und kam auf mich zu. „Ein Wundermittel“, flüsterte sie mir ins Ohr, bevor sie ihr Kleid abstreifte und das Tütchen mit den Zähnen aufriss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation