Eric – neunzehn

Das kühle Nass fühlte sich gut auf meiner Haut an, während ich durch den beheizten Pool pflügte. Hier drinnen begann ich, die Sache mit Alex sein zu lassen und nicht mehr an den Typen und seine beschissenen Worte zu denken.

Die Lichter der Stadt leuchteten und funkelten unter mir, sie erhellen den Nachthimmel und die Stadt lag ruhig da, so als wäre die ganze Welt in Ordnung, so als würde dieses beschissene Funkeln alles gut machen und jede verdammte Wunde heilen, so als wäre das Leben ein einziges bekacktes Märchen. Dabei ist es den Lichtern egal, wie es dir geht, sie leuchten weiter, wenn du dich scheiße fühlst, wenn du geschlagen am Boden liegst und nach deiner Mutter flennst, sie leuchten weiter, wenn du dir vor Angst in die Hosen pisst, wenn du hoffst, dass er endlich krepiert und sie zurückkommt, wenn du alleingelassen durch die Straßen ziehst und wenn du irgendwann nicht mehr existierst, selbst dann leuchtet die Stadt und vergisst dich einfach, weil sie doch verdammt noch mal nie an dich gedacht hat.

Mit kräftigen Bewegungen schob ich das Wasser zur Seite, meine Pumpe ging heftig und meine Arme wurden schwer, so verdammt schwer, als hinge eine unglaubliche Last an ihnen und ich überlegte für einen Moment, einfach loszulassen und der Kraft nachzugeben, einfach aufzuhören und nachzugeben und die Scheiße hier endlich sein zu lassen.

Stattdessen kletterte ich aus dem Pool, rubbelte mir mit dem Hotelhandtuch die Haare trocken und drehte der beschissenen Stadt den Rücken zu.

 

„Guten Abend, Mister Adams“, begrüßte mich der Hotelboy. „Wollen Sie in die Lobby?“

„Ja, Jacob. Einmal nach unten.“ Ich spürte, wie das Zeug, dass ich vorhin eingeworfen hatte, richtig reinknallte.

Jacob drückte den Aufzugknopf und sah mich dabei lächelnd an. Die Fahrstuhlmusik war zum Kotzen. Ich musterte die grüne Hoteluniform; das war echt ein Scheißjob, den der Typ hatte. Den ganzen Tag musste er freundlich sein, egal zu wem, egal wie abgefuckt und mürrisch die Hotelgäste waren, er musste lächeln, auch wenn ihm dieser Job voll auf die Eier ging.

Die Aufzugtüren schlossen sich und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. „Der Job ist scheiße, oder?“, fragte ich und zog meinen schwarzen Sweater zu.

Jacob legte den Kopf schief. „Wie meinen Sie das, Mister Adams?“

„Hier im Aufzug, die Leute nach unten zu chauffieren.“

Jacob straffte die Schultern. „Ich habe vorher in der Küche gearbeitet, Mister Adams. Glauben Sie mir, dieser Job hier gefällt mir sehr gut.“

Ich zog einen Schein aus meiner Hosentasche und gab ihm Jacob. Er reichte mir die Hand und lächelte. „Vielen Dank.“

Mit einem Nicken steckte ich das Plastiktütchen beiläufig in meine Jeanstasche.

„Wieso gefällt dir der Job?“, fragte ich als es „Pling“ machte und sich die Aufzugtüren öffneten. Mit einem Schritt war ich draußen.

„Man trifft hier die interessantesten Menschen, Mister Adams“, erklärte er, kurz bevor sich die Türen wieder schlossen.

 

Der Concierge grüßte mich, der Hotelmanager nickte mir zu und die Empfangsdame wurde rot, als ich durch die Lobby ging – natürlich waren in dem Hotel alle scheißfreundlich zu mir, schließlich hatte ich die verdammte Suite als Dauergast gebucht.

Ich trat durch die lautlose Schiebetür des Hotels, schlenderte durch die Straßen, begann ohne Kopfhörer meine ganz eigene Musik zu hören, hielt den Kopf weit unten, damit mich keiner erkannte. Ich ließ mich einfach treiben und spürte, wie das Zeug meinen Körper einnahm – irgendwann stand ich vor einem der Pubs, dessen rauchgeschwängerte Luft einem sofort entgegenkam, wenn man die Tür öffnete.

„Einen doppelten Scotch“, rief ich dem bärtigen Barkeeper zu und stellte mich ans Ende der Bar. Das Pub war voll, voll mit jungen Leuten, voll mit meiner Zielgruppe würde der verdammte Alex sagen, wahrscheinlich Studenten und Angestellte aus der Gegend. In einer Ecke saß eine grölende Junggesellentruppe mit peinlichen orangefarbenen T-Shirts.

„Hier“, sagte der Barkeeper und stellte mir das Glas hin. Ich warf eine Pille aus dem Plastiktütchen ein und kippte den Scotch auf einen Zug runter.

„Noch einen“, verlangte ich, der Typ nickte und wenig später hatte ich auch den nächsten intus.

„Einer von der schnellen Sorte“, kommentierte der Barkeeper und ich verlangte noch einen, während sich die Gesichter um mich herum zu Grimassen verzogen. Und als ihre Stimmen nur noch dumpf und verzerrt an mein Ohr drangen fühlte ich, wie mein ganzer Körper zu zittern anfing.

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