Eric – zehn

„Cliff, gib mal die Hände in die Taschen. Okay, gut. Und jetzt noch ein bisschen das Kinn heben.“ Der Fotograf wedelte mit der behaarten Hand und arrangierte uns wie verdammte Schaufensterpuppen. Mit dem Haarwuchs hätte er ohne Maske bei Planet der Affen mitspielen können. „Noah, stütz dich leicht bei Erics Schultern auf. Aron, stell dich noch etwas näher zu den anderen.“ Der Affenmann hob seine Kamera und starrte durch die Linse. Oh Mann, wieso drückte er nicht endlich den verdammten Auslöser.

„Cliff, du guckst noch zu freundlich.“

Nun, das konnte er von mir jedenfalls nicht behaupten. Ich zwang mich, ruhig stehen zu bleiben und keine Miene zu verziehen.

„Perfekt, Leute.“ Der Fotograf schoss ein paar Bilder.

„Und jetzt schaut mal alle arrogant. Eric bleibt einfach wie er ist.“ Die Jungs lachten, ich lachte nicht. Ich blieb einfach so, wie ich war.

„Wir probieren jetzt noch was mit Feuer“, sagte der Affenmann und wechselte das Kameraobjektiv. „Ich hab an einen lodernden Hintergrund gedacht, sieht dann so aus, als ob ihr direkt aus der Hölle kämt.“ Er gab seinem Assistenten ein Zeichen. Der huschte wie ein Wiesel durch das Studio und fummelte an der Beleuchtung herum.

„Machen wir die Feuer-Aufnahmen vor dem Greenscreen?“, fragte Noah und trank einen Schluck Wasser.

„Ne, ich steh nicht auf diesen Computermist“, erwiderte der Fotograf. „Wir machen echtes Feuer, das gibt echtes Licht und Schatten. Sieht viel geiler aus, kannst mir glauben.“

Mir war egal, wie es aussah, ich wollte nur hier raus. Seit vier Stunden machten wir hier schon die Hampelmänner und ich hatte die Schnauze voll von einpudern und abtupfen und Outfit wechseln. Genervt stellte ich mich an den Rand und griff nach meinen Kippen.

„Wie meinst du das?“, fragte ich, obwohl es mich nicht interessierte.

„Wilbert hasst es, wenn man in seinem Studio raucht. Da kriegt er jedes Mal nen Anfall“, flüsterte sie und kramte gleichzeitig in ihrer Tasche. Dann zog sie einen Pinsel hervor und begann, mir damit im Gesicht herumzufahren.

„Lass das“, sagte ich, schob den Pinsel weg und zündete mir die Zigarette an.

„Die Dinger bringen dich ins Grab“, sagte sie. Ein paar Schritte entfernt, hörte ich die Jungs und den Affenmann über ein Feuer-Shooting mit einem bengalischen Tiger fantasieren.

„Hoffentlich tun sie das bald“, erwiderte ich trocken und blies ihr Rauch ins Gesicht. „Schlimmer als das hier kann’s nicht werden.“

Sie ließ den Pinsel sinken. „Also stimmt es, was die über dich schreiben?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, was du meinst. Hab vor ner Weile aufgehört, das Zeug zu lesen.“

Sie steckte das Schminkzeug gewissenhaft wieder zurück und vermied es, mir in die Augen zu sehen. „Da steht, dass du dich umbringen wolltest.“ In dem Moment vibrierte mein Handy. Es war eine Nachricht von Alex, in der er fragte, wie es lief.

„Manchmal hab ich echt Bock drauf“, murmelte ich. „Und sei es nur, um dem Typen den Tag zu versauen.“

„Welchem Typen?“, erkundigte sie sich.

„Meinem Manager.“ Ich steckte das Handy wieder ein und nahm noch einen tiefen Zug.

„Hey, hier wird nicht geraucht.“ Die Stimme des Affenmanns schnitt durch den Raum und ich blickte hoch. Er sah mich giftig an und wedelte mit seinen behaarten Wurstfingern in der Luft herum. „Wenn du rauchen willst, musst du raus.“

„Bullshit“, sagte ich und nahm einen langen Zug.

Die Schminktante sog die Luft ein und der Fotograf bekam einen Tomatenschädel. „Das hier ist MEIN Studio!“, donnerte er los und ich sah, wie sich sein Assistent duckte. „MEIN Studio, MEIN Equipment, MEINE Regeln!“

Seelenruhig beschrieb ich mit der brennenden Kippe in der Hand eine ausholende Armbewegung. „Du sagst also, das alles hier gehört dir?“, hakte ich nach und achtete darauf, dass die Asche auf den Boden fiel. „Sieht wohl jetzt ganz nach deiner Asche aus.“

Der Affenmann funkelte mich an und drohte gleich zu explodieren.

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