Eric – zwei

„Hey, bist du nicht dieser Rockstar?“

Ich drehte mich langsam zu der rauchigen Stimme um und taxierte die Schwarzhaarige in dem schulterfreien Kleid. Sie kam mir irgendwie bekannt vor. Vielleicht ein Model, keine Ahnung.

„Bist du nicht diese Schauspielerin?“, fragte ich ohne großes Interesse zurück und kippte den Rest von meinem Drink hinunter.

Sie lachte. Irgendwie lachten sie immer, wenn ich gelangweilt war, vielleicht dachten sie, ich machte Scherze.

„Sag bloß, du hast einen meiner Filme gesehen“, fuhr sie fort und betrachtete mich aus halbgeschlossenen Katzenaugen. Ich ließ meinen Blick ebenfalls über ihren Körper wandern.

Gefiel mir.

„Ne, hab nur geraten. Wie heißt du?“

„Rebecca“, sagte sie und nahm einen Schluck. „Und du bist?“

„Das weißt du doch“, sagte ich. Um uns herum drängten sich irgendwelche superreichen Pseudo-Promis und tanzten zu einer seelenlosen Musik ab, die in mir das Bedürfnis weckte, mich nach Strich und Faden zuzuknallen. Ein Stück entfernt sah ich Aron und Noah auf einem schwarzen Ledersofa sitzen. Beide rauchten und hatten eine Frau auf dem Schoß. Aron lachte immer wieder hysterisch, war vielleicht keine normale Zigarette, die er da in der Hand hielt.

„Harte Nacht gehabt?“, drängte sich Vanessa, oder wie sie hieß, wieder in meine Gegenwart und drückte ihren Busen beiläufig gegen meinen Arm.

Ich ließ meinen rechten Mundwinkel nach oben zuckte. „Könnte noch härter werden.“

Sie lächelte wie eine Katze vor dem Mauseloch. Offenbar hatte sie noch nicht begriffen, dass sie die Maus war.

In dem Moment kam Jules, der Gastgeber auf mich zu. Er war stinkreich und mit jeder Menge Goldschmuck behängt, damit man das auch ja merkte.

„Eric! Wie schön, dass ihr gekommen seid!“ Jules zog mich in eine herzliche Umarmung und legte mir freundschaftlich den Arm um die Schulter. „Ich hoffe, ihr fühlt euch wohl bei mir. Wie ich sehe, hast du Rebecca schon kennengelernt.“

Ich ertrug den Körperkontakt für zwei Sekunden, bevor ich mich seiner Berührung entwand und nickte.

„Wenn du irgendetwas brauchst, sag Bescheid. Dass sich bei mir die schönsten Frauen tummeln, hast du ja schon gesehen.“ Er lächelte und drückte Rebecca einen feuchten Kuss auf die Wange, bevor er Cliff zuprostete und in der Menge verschwand.

„Und, wie ist das so auf der Bühne zu stehen?“, fragte Rebecca, als er gegangen war und zwirbelte sich ihre schwarzen Haare.

„Kennst du als Schauspielerin doch“, sagte ich, während ich benommen ein neues Glas vom Tablett eines Kellners nahm.

„Ja, klar, aber so meinte ich das nicht“, versuchte sie sich zu retten. „Schließlich ist das Theater ja doch ganz was anderes als der Film. Beim Film kannst du eine verpatzte Szene einfach noch mal drehen, aber auf der Bühne, da muss es einfach sitzen, also ich meine -“

„Lass uns hier abhauen“, sagte ich, weil ich mir ihr Geschwafel nicht weiter anhören wollte.

Sie tat so, als würde sie zögern, aber irgendwie war es mir auch egal. Die Blonde hinter ihr hatte mir schon die ganze Zeit eindeutige Blicke zugeworfen und die würde garantiert nicht zögern.

„Du hast doch nichts dagegen, wenn wir die Party etwas größer machen, oder?“, fragte ich und zwinkerte der Blondine zu. Mein Kopf dröhnte noch immer oder schon wieder und ich warf zwei Kopfschmerztabletten ein, die ich mit einem großen Schluck Alkohol runterspülte.

Dann griff ich nach Rebeccas Hand und gab der Blondine einen Wink mit dem Kopf, bevor ich auf den Ausgang zusteuerte.

 

„Cooles Hotelzimmer“, sagte die Blonde. Sie hatte sich vorgestellt, aber ich hatte ihren Namen schon wieder vergessen. Was nicht schlimm war, weil der unmöglich echt sein konnte. Mandy oder Mary oder irgend so ein Scheiß.

„Wollt ihr was trinken?“, fragte ich und ging zur Bar.

Innerlich hörte ich die Zeilen eines neuen Songs. Sie waren zu depri fürs Radio, weil die Betreiber bei so einem Lied sicher Schiss hatten, dass sich die Selbstmordgefährdeten gleich aus dem Fenster stürzen würden.

„Klar“, sagte Rebecca. „Ich nehme einen Bourbon.“

Die Namenlose schloss sich an, ich nickte und schenkte ein. Vielleicht war Selbstmordmusik aber auch eine neue Sparte, für alle jene, die zwar keinen Bock mehr hatten, denen aber noch der Mut fehlte. Wenn die scheiß Moral nicht wäre, ließe sich damit sicher richtig Kohle machen.

„Wollt ihr in den Whirlpool?“, fragte ich die Mädels, als ich ihnen ihre Drinks in die Hand drückte.

„Warum nicht?“, grinste die Namenlose und nahm einen großen Schluck, bevor sie ihr Glas zur Seite stellte und den Reißverschluss ihres Kleides runterzog.

Wenigstens ein Ding, das so lief, wie ich wollte.

5 Thoughts on “Eric – zwei

  1. Ich liebe euren Schreibstil!!!
    <3
    Und fiebere Band 6 entgegen.
    Der Blogroman versüßt mir jeden Di u Do!!!

    Sinnliche Grüße, weiter so…
    Mana 😉

  2. Claudia on 17. Februar 2016 at 17:59 said:

    Mir gefällt Erics Part bisher am besten. Er ist einfach ein Bad Boy – vielleicht ist eine der Mädels ja sogar die frühere Tara =)

  3. Jana on 27. März 2016 at 9:30 said:

    Hey ihr beiden 🙂

    hab Band 6 verschlungen, weil ich so neugierig war, wie es weiter geht und jetzt werde ich hier weiterlesen 🙂

    Ihr macht super Arbeit! Ich liebe die Bücher und auch den Blogroman hier. Ihr versteht es den Leser in euren Bann zu ziehen.
    Ich kann es kaum erwarten, wie alles weitergeht!

    Macht weiter so 🙂
    Sinnliche Grüße
    Jana

    • Rose Snow on 27. März 2016 at 9:49 said:

      Liebe Jana, was für ein Ostergeschenk 🙂 Vielen lieben Dank für Deinen netten Kommentar! Genau das ist es, was uns motiviert, weiterzuschieben. Wir wollen die Leser unterhalten und sie für einen Moment aus ihren Alltag ziehen, denn der kann manchmal schon hart genug sein.
      Wir wünschen Dir weiterhin viel Freude mit den „8 Sinnen“ und schöne Ostern! Liebe Grüße, Carmen & Ulli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation