Esther – 107

„Du solltest rangehen“, sagte ich, als Eric keine Anstalten machte, sein Handy abzuheben.

Er schüttelte den Kopf. „Es gibt jetzt Wichtigeres.“

„Vielleicht ist es dringend.“

„Esther, was kann denn jetzt schon dringender sein?“

Er sah mich ungläubig an, aber ich wollte nicht, dass er wegen mir alles links liegen ließ. Ich wollte nicht die sein, die sein Leben zerstörte.

„Bitte geh ran.“

Eric schnaubte, zog aber sein Handy aus seiner Jeans. „Ja?“ Seine Stimme klang unfreundlich. Dann versteinerte sich seine Miene. „Was soll das sein? Ein blöder Scherz?“, murrte er, bevor er auflegte.

„Was ist denn?“, fragte ich.

Eric fuhr sich durch seine dunklen Haare. „Es war niemand dran. So dringend war es anscheinend.“

„Wie?“, wiederholte ich.

„War nur ein Scherz.“

„Ein Scherz bei Eric Adams?“, fragte ich und runzelte die Stirn. Irgendetwas kam mir an Erics Reaktion seltsam vor, es war, als ob er mir etwas verheimlichen würde. Sein ganzes Gesicht wirkte, als hätte sich eine dunkle Wolke darüber gelegt.

„Es gibt genug Arschlöcher auf der Welt“, brummte er und blickte mich an. „Soll ich uns etwas zu essen bringen lassen?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Ich sollte noch nach Hause, ich habe nächste Woche eine wichtige Prüfung und ich muss den Stoff noch wiederholen.“

Eric nickte abwesend. „Okay.“

Dann drückte ich ihm einen Kuss auf die Wange, holte meine Sachen und hatte das Gefühl, dass plötzlich etwas zwischen uns stand, was ich nicht greifen konnte.

 

Zu Hause angekommen, schlüpfte ich aus meinen Klamotten und nahm eine heiße Dusche. Dabei versuchte ich zu verarbeiten, was in den letzten 24 Stunden alles passiert war.

Ich war schwanger.

Eric und ich bekamen ein Baby.

Auch wenn er beteuerte, dass er hinter mir stand, prasselten meine Ängste wie die Wassertropfen aus dem Duschkopf auf mich nieder. In der Vorstellung funktionierte ein Leben zu dritt vielleicht, aber wie würde die Realität aussehen? Was würde die Presse mit uns machen? Hätte ich überhaupt noch ein Privatleben?

Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich das Klopfen erst hörte, als ich das Wasser abstellte. Schnell schlang ich mir ein Handtuch um meinen Körper und lief zur Haustür, wobei ich kleine Wasserpfützen auf dem alten Parkett hinterließ.

„Zum Glück. Du lebst noch“, empfing mich Flo seufzend, als ich die Tür geöffnet hatte.

Ich starrte sie überrascht an. „Was machst du hier?“

Mit einer Tüte in der Hand drängte sie sich an mir vorbei ins Wohnzimmer.

„Nachsehen, wie es dir geht. Nein, ich korrigiere mich: nachsehen, wie es euch geht.“

Ich verdrehte die Augen und schloss die Tür hinter ihr.

Flo sah mich vorwurfsvoll an. „Nachdem du und Eric gestern so schnell abgehauen seid, habe ich heute Morgen ewig lange versucht, dich zu erreichen. Aber ich kam immer nur auf die Mobilbox. Ich meine, es hätte weiß Gott was passieren können.“

Ich legte den Kopf leicht schief und zog mein Handy aus der Jacke, die an der kleinen Garderobe hing.

„Mein Akku war alle. Und ich war so durch den Wind, dass ich es nicht einmal bemerkt habe“, erklärte ich.

Flos Gesicht wurde ernst. „Was machst du nur für Sachen?“

„Bezieht sich deine Frage auf den Akku oder die Schwangerschaft? Beides kann ich erklären, aber bei letzterem habe ich eigentlich gehofft, dass Du Bescheid weißt“, sagte ich lahm und lehnte mich an die Wand.

„Natürlich weiß ich wie man Kinder bekommt – deswegen weiß ich auch, wie man verhütet“, sagte Flo. „Aber darum geht es jetzt nicht. Hast du dich mit Eric ausgesprochen?“

„Mehr oder weniger.“

„Geht’s noch ungenauer?“

„Wir haben darüber gesprochen, aber wir stehen beide noch unter Schock. Und auch, wenn er sagt, dass er das Baby bekommen möchte …“

„Er möchte das Baby bekommen?“, fragte Flo und grinste über beide Ohren. „Ich wusste es“, sagte sie und hielt ihre Tüte hoch. „Und deswegen habe ich auch das hier mitgenommen.“

8 Thoughts on “Esther – 107

  1. Iris Winter on 13. Februar 2018 at 13:40 said:

    Wieder warten wie es weiter geht …..gerade immer wenn es spannend ist.

  2. milna_1 on 13. Februar 2018 at 14:20 said:

    Ooooooohh mein Gooooot!
    Wetten der Anrufer hat gesagt, dass die Testergebnisse nicht gültig sind! Ich hoffe sie sind gültig und Zoe bekommt den Bruder den sie sich wünscht und Eric seine kleine Schwester die er zwar nicht haben wollte mit der er sich dann schlussendlich aber doch abfinden kann. Das mit dem Baby kriegen sie auch noch hin! Hoffe ich 🙂 ! Ich freue mich schon sooooooo auf Fr. , Di. , Fr. , Di. , Fr. , Di. , Fr. , …!

    Ich freue mich auf alles! Wann kommt eigentlich die Kindle-Version vom dritten Teil raus? Freue mich schon darauf!

    Danke RoseSnow

    • Rose Snow on 16. Februar 2018 at 19:28 said:

      Hach, das ist auch für uns schön, mitzuverfolgen, welche Gedanken ihr euch zum Verlauf der Geschichte macht 🙂 Natürlich verraten wir jetzt noch nichts, das müsst ihr dann alles selbst lesen 🙂
      Bis zur Kindle-Version vom dritten Teil müsst ihr euch leider noch etwas gedulden, da wir aktuell auch noch nicht mehr geschrieben haben, als ihr jede Woche lesen könnt. Das ist das Schöne und Schreckliche an einem Fortsetzungsroman: man hat zwar länger etwas davon, aber die Ungeduld ist natürlich schwieriger zu ertragen. Wir hoffen, dass die Freude über Erics & Esthers Geschichte das aber wettmacht 🙂
      Alles Liebe, Ulli & Carmen

  3. Trixi Breyer on 13. Februar 2018 at 22:21 said:

    Oh Flo!!!!!!!!

  4. Lea Gundlack on 14. Februar 2018 at 21:34 said:

    Ich habe die Bücher von Lee & Ben erst vor kurzem entdeckt aber sofort verschlugen, ich glaub ich hab für die 10 so 12 Tage gebraucht.
    Ich muss gestehen, dass ich manchmal auch die Nacht fast durchgelesen habe und das Buch Ben fand ich auch supertoll, auch wenn ich es schade fand, dass es nur manche Szenen gab. Aber jetzt hab ich in 2 Tagen den Blogroman gelesen und freue mich darauf, weiter zu lesen und hab mich total gefreut, als ich gesehen habe, dass es die Geschichte von Esther & Eric gibt. Danke, dass ihr so tolle Geschichten schreibt!

    LG
    Lea ☺️

    • Rose Snow on 16. Februar 2018 at 19:29 said:

      Liebe Lea,
      wow, dann bist Du ja wirklich schnell! Wenn Du irgendwann mit allen Rose Snow-Büchern durch bist, können wir Dir noch unsere Anna Pfeffer-Bücher empfehlen, die müssten Dir auch gefallen! 🙂

      Alles Liebe, Ulli & Carmen

      • Lea Gundlack on 17. Februar 2018 at 15:11 said:

        Hallo ihr zwei,
        Ich hab alle Bücher von Rose Snow durch bis sich die letzten 3 Bänder von acht Sinne und die triologie 3 Lilien fehlt mir noch meine Lieblingsreihe ist und bleibt aber 17 die Bücher der Erinnerungen obwohl ich die 11 gezeichnet auch total toll fand

        Ihr seit ich toll bin ein Riesen Fan von euern Bücher und euch

        LG
        Lea ☺️

  5. Valérie on 20. Mai 2018 at 12:00 said:

    Was bringt Flo????

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation