Esther – 97

Ich kuschelte mich an Erics Brust. Die Schiebetüren zum Wohnzimmer hatte er zugezogen, kurz nachdem ich Zoe zugedeckt hatte, die irgendwann auf der Couch eingeschlafen war.

„Müssen wir ihrer Mutter Bescheid geben?“, fragte ich irgendwann vorsichtig in die dunkle Stille hinein. Dabei war ich darauf bedacht, Zoe nicht zu wecken und Eric nicht zu verstören, wenn ich seine Mutter erwähnte. „Wer weiß, ob sie überhaupt weiß, wo Zoe sich rumtreibt“, setzte ich hinzu und hatte das Gefühl, mich auf Glatteis zu bewegen.

„Ich habe mit Chris gesprochen“, erklärte Eric knapp. „Es ist alles okay. Sie weiß, wo Zoe ist. Wahrscheinlich hat sie sie sogar hergeschickt.“


„Du denkst, sie würde so etwas tun?“


„Ich denke, sie würde noch ganz andere Dinge tun.“


Ich schluckte und dachte daran, was er mir erzählt hatte. Wenn es stimmte, dass seine Mutter ihn verlassen hatte, um Zoe zu beschützen, dann konnte ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Wie in aller Welt konnte man sein Kind zurücklassen? Warum hatte sie Eric nicht einfach mitgenommen?


Sanft küsste ich ihn auf die Brust. „Ich liebe dich“, sagte ich.


„Ich dich auch“, erwiderte er und zog mich zärtlich in seine Arme.


„Ich bin froh, dass wir nicht mehr streiten“, setzte ich hinzu. „Das war nicht schön.“


„Nein, das war es nicht. Aber es wird garantiert nicht das letzte Mal sein.“


„Wird es nicht?“, hakte ich nach und hob den Kopf, um Eric in seine blauen Augen zu sehen. Sie zogen mich immer wieder in ihren Bann und ich musste unwillkürlich daran denken, dass auch Zoe diese blauen Augen von ihrer Mutter geerbt hatte.


„So eifersüchtig wie du bist, wird uns das sicher noch mehrmals passieren“, erwiderte Eric trocken und ich biss ihn sanft in die Schulter.


„Hey“, meinte er und obwohl es dunkel war konnte ich das Grinsen in seiner Stimme hören. „Nicht nur eifersüchtig, sondern auch noch gewalttätig? Jetzt mache ich mir wirklich Sorgen.“


„Nicht lustig“, erwiderte ich.


„Noch zu früh?“


„Ja, noch zu früh.“


„Gut“, bemerkte er und schickte seine Hände auf Wanderschaft. „Dann werde ich mich mit meinen Kommentaren noch etwas zurückhalten. Und bis dahin …“ Der sexy Tonfall in seiner rauen Stimme sandte einen Hitzestrahl durch mich hindurch, sodass mir schlagartig wärmer wurde.


„Das können wir nicht machen“, flüsterte ich und versuchte seine Hände zu stoppen, die sich über meinen Po tasteten. „Zoe ist im Nebenzimmer.“


„Aber sie schläft.“


„Trotzdem.“


Eric lachte leise. „Ich wusste gar nicht, dass du so bieder bist.“


„Bieder?“, wiederholte ich. „Die Masche funktioniert nicht.“


„Welche Masche?“


„Dass du mich jetzt herausforderst und ich deswegen nachgebe. Wir werden hier ganz sittsam nebeneinander schlafen.“


Eric atmete geräuschvoll aus. „Tu mir das nicht an, Esther. Du liegst neben mir. Beinahe nackt. Und du verlangst von mir, nichts zu tun? Ich bin weiß Gott kein Heiliger.“


„Heute Nacht bist du es schon“, sagte ich schmunzelnd. Es war schön, Eric so nah zu sein und ich genoss es, dass zwischen uns alles wieder gut war. Im Nachhinein kam mir unser Streit so dämlich vor.


„Ich werde nie Kinder haben“, murrte Eric. „Wirklich niemals.“

Der Eingang einer SMS erklang und Eric schielte auf sein Handy, dessen Display grünlich im Dunklen leuchtete. „Chris holt Zoe morgen ab. Sie muss anscheinend noch einige Untersuchungen im Krankenhaus machen.“

„Sie tut mir leid. Noch so jung und schon muss sie so viel durchmachen.“


Eric war für einen Moment still und ich wusste nicht, ob ihn meine Worte irgendwie gekränkt hatten.


Sein Brustkorb hob und senkte sich schwer. „Ich habe einen Entschluss gefasst“, sagte er bestimmt und strich mir sanft über das Haar. „Ich werde die verdammte Untersuchung machen lassen.“

3 Thoughts on “Esther – 97

  1. Anabelle741 on 5. Dezember 2017 at 21:14 said:

    Ich finde es ersten süß, dass er diese Untersuchung nun doch macht und zweitens glaube ich das Esther gerade die Zügel in der Hand hält.

    Manchmal wünsche ich mir man könnte ein paar Tage überspringen und sofort weiter lesen. Mich interessiert nähmlich die Reaktion der anderen auf Erics entschluss.

  2. Trixi Breyer on 6. Dezember 2017 at 13:36 said:

    Danke Eric das ist eine der besten Entscheidungen deines Lebens. Eine andere war nach Esthes Nummer zu fragen!!♡♡
    Ich würde das aber auch tun. Für jeden!

  3. Katja on 9. Dezember 2017 at 20:45 said:

    Jaaaa, sehr gut. Richtige Entscheidung, Eric. Das gibt gute Karma Punkte. 😊

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