Eric – 151

Aron sah mich einen Moment lang misstrauisch an. „Du gibst also zu, dass die Band nicht mehr an erster Stelle steht?“

Seine Wortwahl fuckte mich an, dennoch zwang ich mich zu einer ruhigen Antwort. „Ja, Aron. Ich gebe es zu.“ Er öffnete verärgert den Mund, doch ich sprach augenblicklich weiter. „Und ich sag dir auch warum. Meine zukünftige Frau bekommt in wenigen Wochen unser Baby. Was wäre ich denn für ein erbärmlicher und beschissener Vater, wenn mir die Band wichtiger wäre als mein eigenes Kind?“

Aron starrte mich einen Moment lang stumm an und und fuhr sich dann heftig durch die Haare. „Alles klar.“

„Wirklich?“

„Nein!“, fauchte er mich an. „Ich versteh ja, dass du jetzt andere Verpflichtungen hast, aber die Band ist deshalb noch immer ein Teil von uns. Sie ist auch sowas wie unser Baby, Eric!“

Als ich nicht sofort antwortete, trat er mit dem Fuß gegen die dunkle Wand des Nachtclubs. „Verdammte Scheiße. Wenn du irgendjemandem erzählst, dass ich das laut gesagt habe …“

„Du hast recht.“ Ich war selbst überrascht, aber die Worte kamen einfach aus meinem Mund. „Die Band ist unser Baby. Wir haben sie zusammen aufgebaut und sie hat mir mehr als einmal das Leben gerettet.“

Aron ließ die Arme hängen und lehnte sich kraftlos an die Wand. „Und trotzdem willst du sie aufgeben?“

Verärgert schüttelte ich den Kopf. „Ich will überhaupt nichts aufgeben. Die Band steht vielleicht nicht mehr an erster Stelle, aber ich schwöre dir, sie kommt direkt hinter Esther und dem Baby. – Und hinter Chris und meiner Schwester“, fügte ich nach einem Moment hinzu.

Aron sah mich mit brennenden Augen an. „Meinst du das ernst?“

Ich lachte bitter. „Glaubst du wirklich, ich hätte mir die verdammten Kämpfe mit dir all die Jahre gegeben, wenn ich es nicht ernst meinen würde?“

Bei meinen Worten ließ er den Kopf hängen. „Keine Ahnung. Es hat sich so angefühlt, als wäre dir alles scheißegal. Der Ruhm, die Fans, die ganze Arbeit, die wir reingesteckt haben.“ Er schnaubte leise. „Ich wusste nie, ob du am nächsten Tag noch da bist. Ob du Bock hast, aufzukreuzen, oder uns einfach fallenlässt.“ Er machte eine kurze Pause, in der er den ausgetretenen Joint mit der Schuhspitze zerteilte. „Und glaub nicht, dass es mir dabei nur um die Kohle geht. Ich hatte immer das Gefühl, wir könnten mit unserer Musik was verändern. Die Menschen berühren. Aber irgendwann war ich mir nicht mehr sicher, ob ich mir nicht einfach nur was vormache.“

Ein paar Sekunden lang war es bis auf das dröhnende Hämmern der Clubmusik still.

„Also entweder bist du wirklich high, oder du wirst auf deine alten Tage noch sentimental“, bemerkte ich trocken.

„Du bist ein Arschloch, Eric.“

„Ich weiß.“ Mein Mundwinkel zuckte nach oben, bevor ich wieder ernst wurde. „Wahrscheinlich musste ich eins sein, um zu überleben. Und irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt.“

Aron erwiderte meinen Blick lange. Es fühlte sich ungewohnt an, so ehrlich mit ihm zu reden, aber fuck, mir war auch klar, dass wir so nicht weitermachen konnten. Nicht, wenn die Jungs Angst hatten, dass ich die Band zerstörte.

„Es tut mir leid, wenn ich euch das Gefühl gegeben hab, dass mir alles scheißegal ist.“

Aron fuhr sich ungläubig mit der Hand über die Augen. „Scheiße, ich muss wirklich high sein. Jetzt hab ich doch echt halluziniert, dass du dich bei mir entschuldigst.“

„Halt die Klappe und hör zu.“

Er sagte nichts mehr.

„Meine Familie steht an erster Stelle“, wiederholte ich entschieden, „aber unsere Band steht an zweiter. Und ich würde eher mein linkes Ei geben, als zuzulassen, dass irgend so ein beschissenes Arschloch daherkommt und glaubt, uns alles wegnehmen zu können, was wir in jahrelanger harter Arbeit aufgebaut haben.“

Aron atmete tief ein. „Ich weiß nicht, ob wir nicht einfach den Vergleich annehmen sollten, Eric.“

„Ich weiß es auch nicht. Lass uns mit den anderen darüber reden.“

Aron nickte. „Okay.“ Dann gab er sich einen Ruck. „Sorry, dass ich die Freundin von deinem Cousin gevögelt habe.“

Ich atmete tief ein und gab mir ebenfalls einen Ruck. „Tu es einfach nie wieder.“

In diesem Moment klingelte mein Handy. Als ich die Nummer des Hochzeitsplaners erkannte, runzelte ich die Stirn. Gleichzeitig schwang die Tür auf und Simon steckte den Kopf raus. „Hier seid ihr. Los Leute, Abmarsch. Euer Auftritt steht direkt bevor.“

 

Hey, ihr Lieben!
Aufgrund technischer Probleme gab es am Dienstag keine Ausgabe von Esther, dafür haben wir beide Folgen jetzt online gestellt.
Außerdem wollten wir euch darüber informieren, dass wir aufgrund eures Feedbacks den Text geringfügig geändert haben, was Erics angebliches Plagiat anbelangt. Statt der gleichen Textzeile geht es nun um einen ähnlich klingenden Refrain, da dies in der Musikbranche wesentlich realistischer ist. Wir haben das im Blogroman schon geändert und sagen danke für euren wertvollen Hinweis!  Nun wünschen wir Euch noch ein schönes Wochenende mit viel Zeit zum Lesen oder Musik hören 🙂 
Alles Liebe, eure Ulli & Carmen alias Rose Snow 

One Thought on “Eric – 151

  1. Valérie on 25. Januar 2019 at 23:13 said:

    Ich finde es soooooooooo toll, dass Eric sich jetzt endlich wieder mit Aron verträgt!
    Danke!!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation