Esther – 84

Ich durfte mich von diesem Unterwäschemodel nicht aus dem Konzept bringen lassen. Wenn ich wollte, dass es zwischen mir und Eric funktionierte, dann musste ich mich auf ihn konzentrieren, und musste die Frauen, die vor mir da waren einfach ausblenden. Ich durfte mich nicht wie ein kleines Mädchen verstecken, und musste meine Zweifel runterschlucken. Das machte zumindest in meinem Kopf Sinn, nachdem ich das zweite Glas Champagner in einem Zug geleert hatte.

„Nicht so schnell mit den jungen Pferden“, meinte Flo. „Du bist doch nichts gewohnt, Esther.“

In dem Moment kam Eric zu uns und machte Anstalten, zu gehen. Flo verschwand aufs Klo, aber ich wollte nicht gehen, obwohl ich natürlich gehen wollte.

Aber ich wollte nicht, dass sich das hier nach Niederlage anfühlte. Und Eric versuchte mich zu beschützen, vor dem Rummel und wahrscheinlich auch vor den wunderschönen Frauen, die er alle problemlos haben konnte, aber ich wollte nicht beschützt werden.

Ich wollte, ach, ich hatte keine Ahnung was ich wollte.

Doch. Ich wollte ihn.

 

Wir setzten uns auf breite, rote Fauteuils und ich konnte mich nicht erinnern, jemals auf solchen Kinositzen einen Film gesehen zu haben. Der Saal war riesig und die Leute strömten noch immer wie die Ameisen herein.

„Also“, raunte mir Eric ins Ohr. „Wenn das Licht gleich ausgeht, wirst du dann wieder rot?“

Ich lächelte nur und ein Gedanke polterte durch meinen Kopf. „Flo“, stieß ich hervor.

Eric runzelte die Stirn und ich wusste nicht, ob es an ihm oder am Champagner lag, den ich schon überall spürte, aber ich hatte meine Freundin komplett vergessen.

„Da drüben“, sagte er ruhig und ich sah Flo, die neben Simon ein paar Reihen weiter hinten Platz nahm. Sie lächelte mir verzückt zu und deutete dann auf die erste Reihe des Saals, in der ihr Schwarm Francesco neben seinen Schauspielkollegen saß.

„Zum Glück“, hauchte ich. „Ich hatte sie schon ganz vergessen.“

„Weil ich dich so ablenke?“, fragte Eric und ich kicherte wie ein kleines Mädchen.

„Der Alkohol“, sagte ich entschuldigend. „Ich bin ihn einfach nicht gewohnt.“

Eric lehnte sich auf seinem Sitz zurück. „Das kann ich nicht behaupten“, meinte er und grinste schief, aber im nächsten Moment hörte er auf zu grinsen und ich folgte seinem Blick. Natascha hatte in einer der vordersten Reihen Platz genommen.

„Warst du mit ihr zusammen?“, fragte ich geradeheraus, und hätte mir danach am liebsten auf die Lippe gebissen. Ich wollte nicht wie die eifersüchtige Freundin klingen, aber der Champagner hatte meine Zunge gelöst und ich fühlte doch, dass die Begegnung mit der wunderschönen Natascha etwas zwischen Eric und mir gemacht hatte.

Ein Anflug von Unsicherheit lag plötzlich zwischen uns, es war, als würde das, was zwischen uns war, zu wackeln beginnen, als hätte jemand kräftig dagegen geblasen und uns ins Wanken gebracht.

„Bist du eifersüchtig?“, fragte Eric und ich nickte. Ich nickte einfach, nicht einmal, sondern gleich mehrmals.

„Natürlich bin ich das“, sagte ich schneller, als ich denken konnte. „Ich meine, sieh sie dir an. Moment. Sieh sie dir lieber nicht an. Sie ist wunderschön und perfekt. Ich habe noch nie so eine schöne Frau gesehen und sie sieht aus, als käme sie aus einer anderen Welt oder wenigstens aus irgendeinem „Herr der Ringe“-Film. Genau. Sie muss aus einem „Herr der Ringe“-Film entstiegen sein“, sagte ich und redete einfach weiter. „Das ist die einzige Erklärung für ihre Schönheit. Sie ist wie einer dieser Elben, mit ihren dunklen Haaren und dem perfekten Teint, und selbst ihre Stimme ist perfekt und alle werden in ihren Bann gezogen, wenn sie sie nur ansehen. Also sieh sie nicht an, aber wahrscheinlich ist das auch schon egal, weil du sie schon mal angesehen hast und du sitzt jetzt einfach neben mir, anstatt bei ihr, obwohl sie eindeutig an dir interessiert ist, und warum ist das so? Bist du irgendwie verzaubert worden, Eric? Ich meine“, machte ich weiter und spürte, wie der Alkohol sämtliche Hemmungen über Bord schmiss. Ich deutete auf mich. „Ich meine, du sitzt quasi neben einem Hobbit.“ Ich senkte die Stimme. „Neben einem Hobbit.“

Eric sah mich unbewegt an. „Du hast recht“, sagte er und legte mir den Finger auf den Mund, während ich mich fühlte, als hätte man mir einen Rammbock in den Magen gestoßen.

Eric grinste. „Du hast recht, du verträgst echt keinen Alkohol.“

2 Thoughts on “Esther – 84

  1. Oh oh, das Sabbelwasser zeigt Wirkung. 🙂
    Das ist gut, denn jetzt weiß Eric, wie es in Esther aussieht und um ehrlich zu sein… ich kann sie verstehen.

    ABER, Eric ist mit ihr da und nicht mit Natascha, also ist es doch eindeutig, dass er kein Interesse (mehr) an Natascha hat.

  2. Trixi Breyer on 7. September 2017 at 5:12 said:

    Hihihi Hi so Esther, spricht man dinge aus die lieber in einem Drin bleiben aber nagut wenn dus lieber auf die Art machen willst. Jetz hat Eric ja schnon ne Masche wie er aus ihr Dinge raus quetschen kann da sie keinen Alk verträgt🤔🤔trtzdem toll😍😍😍😍😍

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