Esther – 94

Eric schlief lange und unruhig. Ich hatte ihm geholfen, seine Klamotten auszuziehen und dann war er auch schon eingenickt, und irgendwie fand ich ihn süß, wie er so betrunken in mein Bett gefallen war.

Zumindest bis er im Schlaf zu reden begann. Zuerst konnte ich ihn gar nicht verstehen, doch dann verstand ich ihn umso besser. Mein Herz klopfte wie wild und ab dem Augenblick hatte ich keine Chance mehr, einzuschlafen.

Also ging ich in die Küche, machte mir einen Tee und versuchte mich mit einem Buch abzulenken. Allerdings kam ich nie über einen Absatz hinaus, da meine Gedanken ständig abschweiften und ich weder meinen Kopf, noch meinen Bauch beruhigen konnte.

Irgendwann stand Eric im Türrahmen. Obwohl er sicher noch einen heftigen Kater hatte, sah er umwerfend aus.

„Hey.“

„Hey“, erwiderte ich und versuchte meine Stimme so normal wie möglich klingen zu lassen. Er kam auf mich zu, drückte mir einen Kuss auf die Stirn und ging dann zum Küchenschrank, um sich ein Glas herauszunehmen.

„Sorry wegen gestern“, sagte er, drehte den Wasserhahn auf und füllte sein Glas voll.

„Kein Ding“, murmelte ich und starrte wieder auf mein Buch, das ich ja doch nicht las.

Eric trank ein paar Schlucke und ich konnte seinen Blick auf mir fühlen. „Alles okay?“

„Klar“, antwortete ich ohne hochzusehen.

„Sieht aber nicht nach klar aus“, bemerkte er und kam auf mich zu. Natürlich wollte ich ihn bei mir haben, zumindest ein Teil von mir, der andere Teil drängte jedoch auf Abstand. Ich sah zu ihm hoch und lächelte matt. „Doch, alles okay.“

Erics Augen verengten sich. „Liegt es daran, dass ich gestern bei dir besoffen aufgekreuzt bin?“ Er fuhr sich durch seine dunklen Haare und seufzte. „Das war eine Scheiß-Aktion von mir, Esther, ich weiß. Aber ich hatte nur noch dich im Kopf. Wir hatten gestern einen privaten Gig und nach der Sache mit Simon hat es irgendwie gut getan, mit den Jungs danach noch ein wenig abzufeiern.“

„Die Sache mit Simon?“, hakte ich nach. Und dann erzählte mir Eric alles von Simons Spielschulden, die ihn dazu veranlasst hatte, Geld von der Band abzuzweigen. Pokern war Simons Schwäche und für einen kurzen Moment fragte ich mich, ob Flo davon wusste.

„Er hat unsere Bedingungen akzeptiert“, schloss Eric die Simon-Geschichte ab. „Auch wenn er etwas gemault hat.“

Ich lächelte und versuchte das dumpfe Gefühl in meiner Magengegend einfach wegzuatmen. „Ich finde es gut, dass du mit ihm gesprochen hast.“

„Dein Verdienst.“

Ich schüttelte den Kopf. „Ich war nicht dabei, das kannst du dir alleine zuschreiben. Simon kann froh sein, dass du ihn so fair behandelt hast. Die ganze Band. Auch wenn ihm die Bedingungen einiges abverlangen werden, so zielen sie doch darauf ab, ihm zu helfen.“

„Das ist zumindest der Plan. Wenn er sich nicht dran hält, selber schuld. Mehr kann er wirklich nicht erwarten.“

Ich stand auf und schenkte mir noch etwas Tee nach. Dabei versuchte ich, Eric nicht zu berühren. Mir wurde ganz schlecht, wenn ich an seine Worte dachte und so sehr ich auch nach einer vernünftigen Erklärung suchte, ich fand sie einfach nicht.

Erics Blick fiel auf das „GlamSociety!“-Magazin, das auf dem Küchentresen lag. Ich hatte schlichtweg vergessen, es in den Mülleimer zu schmeißen.

Er hob es hoch und betrachtete das Bild, das uns gemeinsam mit Natascha auf der Filmpremiere zeigte. „Geht es darum?“, wollte er wissen. „Geht es um den Artikel? Bist du deswegen anders?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, darum geht es nicht.“

„Was ist es dann, Esther?“

Ich goss den Tee in meine Tasse und versuchte ihn dabei nicht anzusehen. Er stellte sich vor mich, nahm mir beides ab.

„Rede mit mir“, verlangte er.

Ich blickte ihn stumm an.

„Geht es um Natascha? Darum, dass ich mich mit ihr getroffen habe?“

„Du streitest es gar nicht ab?“, wollte ich wissen und fühlte, wie mein Herz immer rascher schlug.

„Nein, natürlich nicht“, sagte er lässig, als würden wir übers Wetter sprechen. „Sie brauchte meinen Rat bei so einer Musiksache und da habe ich mich mit ihr getroffen, ganz kurz. Esther“, sagte er und hob mein Kinn an. „Das ist echt kein Grund, um eifersüchtig zu sein.“

„Das nicht“, erwiderte ich und schluckte. „Aber wenn du in der Nacht ihren Namen stöhnst, dann ist es das schon.“

3 Thoughts on “Esther – 94

  1. boah ihr Lieben, das habt ihr da nicht echt als letzten Satz eingebaut…euch ist schon klar das ich nun einige Tage hibbelig rumsitze, bis ich dann erfahre wie es weiter geht….puh

  2. Oh neeein, da will man völlig aufgebracht auf den „Weiter“ Button klicken und dann ist da einfach keiner mehr! Wie gemein! Das als letzen Satz verwendet zu haben kostet euch Karma-Punkte 😉
    Freu mich schon wenn’s weiter geht.
    LG 🌼

  3. Omg!!!

    Ich liebe euren blogroman
    Freue mich schon auf die Fortsetzung morgen

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